Pinache (bei Wiernsheim)


Pinache wurde in Juni 1699 zwischen Dürrmenz und Wiernsheim, größtenteils auf Wiernsheimer Gemarkung, angelegt. Der Ort wurde nach Pinache (heute Pinasca), dem Herkunftsort der Gründer, im unteren Chisonetal benannt. Der Anfang war sehr hart. Noch im Jahre 1720 zogen viele aus Pinache nach Brandenburg, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Viele kehrten enttäuscht zurück, andere gehörten zu den Gründern von Gottstreu und Gewissenruh.

Geschichte

Die Pinacher Einwanderer bauten sich zunächst Holzbaracken und eine Holzkirche. Diese war jedoch bald vom Einsturz bedroht, und so bat der damalige Pfarrer Jean Giraud den Herzog um Hilfe. Durch Kollektensammlungen wurde der Bau einer Kirche aus Stein ermöglicht; sie konnte 1721 eingeweiht werden und ist die älteste und größte Waldenserkirche Deutschlands. Seit der Gründung 1699 war Serres die Filialgemeinde von Pinache, und beide Dörfer behielten bis zum heutigen Tag einen gemeinsamen Pfarrer. Giraud gab seinen beiden Gemeinden eine Kirchenordnung, die teilweise noch heute gilt. Kirchenbücher werden in Pinache geführt, auch für Serres, ab 1710 zunächst französisch, ab 1808 deutsch.
Die beiden ersten Pfarrer, Jean Giraud und Scipion Arnaud (Sohn von Henri Arnaud), sind unter der Kanzel der Kirche von Pinache begraben worden. Ihre Grabplatten sind noch in der Kirche vorhanden.


Eingemeindung

Am 1. Januar 1970 wurde Pinache nach Wiernsheim eingemeindet. Es zählt heute 1.160 Einwohner, davon sind 683 evangelisch. Es gibt nur noch einen hauptamtlichen Landwirt. Industrie ist wenig vorhanden. Verdienstmöglichkeiten gibt es in Mühlacker und Pforzheim. Viele Auspendler arbeitern in Weißach (Porsche), Stuttgart-Feuerbach (Bosch) und bei Daimler in Sindelfingen.

Erinnerungen

In Pinache gibt es keine Denkmäler, welche an die waldensischen Vorfahren erinnern. Trotzdem bestimmen auch heute noch die Merkmale des alten kleinbäuerlichen Waldenserdorfs das Erscheinungsbild von Pinache. Es war insbesondere das Verdienst von Pfarrer Adolf Märkt von Pinache und Serres (1888-1901), daß wieder Kontakte mit den italienischen Waldensern geknüpft wurden. Eine kleine Gedenktafel am Brunnen von Pinache erinnert daran, daß er auch dafür gesorgt hat, daß Pinache und Serres 1893 eine eigene Wasserleitung bekamen.
In Pinache ist ein kleines Heimatmuseum eingerichtet.Seit 1982 besteht ein Partnerschaftsvertrag zwischen Pinache und Pinasca.

Else Schnaubelt

Else Schnaubelt

Literatur: Adolf Märkt, Zur Geschichte der Waldensergemeinde Pinache in Württemberg (Geschichtsblätter des Deutschen Hugenottenvereins, Zehnt VI, Heft 3-4). Magdeburg 1896. Karl P. Seeger, Wiernsheimer Heimatbuch, Reutlingen 1986.





Literatur: Karl P. Seeger, Wiernsheimer Heimatbuch, Reutlingen 1986.
Wiernsheimer Heimatbuch II. Buch der Waldenser, Wiernsheim 1999. Wiernsheimer Heimatbuch III. Bildband, Wiernsheim 1999.

Zu den Bildern:

Das erste Pfarrhaus in Pinache. Da die Gemeinde kein Geld hatte, erbaute sich Jean Giraud sein Pfarrhaus aus eigenen Mitteln. Das Haus wurde später als Armenhaus benützt (das Bild zeigt die letzten Bewohner des Armenhauses). Da die Schule im Rathaus untergebracht war, plädierten einige Gemeinderäte dafür, das Armenhaus - diesen „Schandfleck“ - abzubrechen und an seiner Stelle ein Schulhaus zu bauen. Die übrigen Gemeinderäte waren für seinen Erhalt. Nach einer sehr lebhaften Gemeinderatsitzung brannte das Armenhaus in der Nacht ab (1912), und Pinache bekam ein neues Schulhaus

Die Ziegelhütte von Pinache 1912

Der letzte Grabstein mit französischer Inschrift. Pfarrer Märkt entdeckte ihn auf dem früheren Friedhof und veranlaßte, daß er in die Kirche von Pinache überbracht wurde


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