Sengach (bei Enzberg)

Sengach ist 1701 etwa ein Kilometer nordostlich von Enzberg auf der fast ebenen, nebelarmen Höhe des Sengachberges gegründet worden. Die Mehrzahl der Kolonisten stammte aus Vars im Dauphiné.
Da Dürrmenz zu viele Ankömmlinge hatte, wurde ein Teil von ihnen in die Nachbarorte verteilt, u.a. nach Ötisheim. 15 Familien, die auch in Ötisheim nicht unterzubringen waren, gingen nach Enzberg und gründeten von hier aus Sengach, genannt nach dem von den Waldensern abgeholzten Enzberger Kellereiwald “Sengach” (was soviel heißt wie “versengter oder verbrannter Wald”). Die Kolonisten nannten ihren Ort Sinac. Die Sengacher waren von Anfang an Enzberger Bürger und hatten zwei Vertreter im Enzberger Rathaus.

Geschichte

Im Jahre 1710 gab es in der Kolonie 15 Haushalte mit 57 Seelen. Diese Zahl stieg während des 18. Jahrhunderts kaum an. Laut des Berichts von Hofrat von Mylius aus dem Jahre 1807 lebten damals im Weiler 17 Familien mit 70 Personen, davon waren etwa 20 lutherisch. Die deutschen Kinder besuchten die deutsche Schule in Enzberg, die sieben reformierten Kinder gingen im Sommer in die Schönenberger Schule.
Kirchlich gehörte Sengach zur weit zerstreuten welschen Pfarrei Dürrmenz, bis 1823 die Waldenser in die lutherische Gemeinde von Enzberg eingepfarrt wurden. Der Psalmengesang fiel weg. Nach mündliche Überlieferung gingen die älteren Männer und Frauen aus Sengach noch lange Zeit nach Schönenberg in die Kirche, wo das Abendmahl nach reformiertem Brauch gefeiert wurde.


Heute

Erst in den letzten Jahren sind viele neue Häuser in Sengach entstanden. Heute leben hier 55 Familien (ca. 160 Personen). Die gerade Straße aber, die alle Waldensersiedlungen kennzeichnet, ist im wesentlichen geblieben, auch wenn einzelne Häuser abgerissen oder umgebaut worden sind. In Sengach fallen die geringe Breite und die besonders niedrigen, einstöckigen Wohngebäude auf, die man ebenerdig betritt. Eine Ausnahme ist die Wirtschaft “Zum grünen Wald”, die größer und höher ist als alle anderen Häuser; sie hat noch eine Inschrift an der Straßenseite. An vergangene Zeiten erinnert auch die alte Ortstafel auf einer eisernen Säule in den alten württembergischen Farben schwarz-rot.


Rosemarie Weber


Literatur: Friedrich Wißmann, Enzberger Heimatbuch, Enzberg 1952. Eugen Bellon, Vom Dauphiné ins Enztal. Geschichte der Kolonie in der Dürrmenzer Waldensergasse, auf dem Sengach, in Schönenberg und Corres 1685—1835, Eigenverlag 1981.

Sengach 1899 (Henri-Arnaud-Haus Ötisheim-Schönenberg. Foto Gärtner)

Inschrift an der Gastwirtschaft “Zum grünen Wald” (Foto Ulrich Gayer)

Tafel am Ortseingang (Foto Ulrich Gayer)





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