Charlottenberg (bei Holzappel)

Charlottenberg, das jüngste Dorf in der früheren Grafschaft Holzappel, wurde im Jahre 1699 als reine Waldenserkolonie auf einer Anhöhe in der Nähe des damaligen Städtchens Holzappel gegründet. Es trägt den Namen seiner Erbauerin, der Fürstin Charlotte von Nassau-Schaumburg, die zugleich Gräfin zu Holzappel war. Die Charlottenberger Waldenser, zehn Familien mit zusammen rund 60 Personen, Flüchtlinge aus Fenestrelle im Pragelatal, trafen -auf der Grundlage einer Aufnahmeurkunde der Fürstin vom 15. Juli 1699 - Ende Juli in der Grafschaft Holzappel ein. Bereits im August wurde ihnen das Bauland für die zehn einstöckigen Wohnhäuser der ursprünglichen Kolonie zugewiesen.
Charlottenberg (185 Einwohner) ist bis heute eine selbständige Gemeinde in der Verbandsgemeinde Diez (Rhein-Lahn-Kreis) und gehört dem Bundesland Rheinland-Pfalz an. Bis 1950 lebten die Bewohner des Dorfes überwiegend vom nahen Bergbau („Grube Holzappel“) und von einer bescheidenen Landwirtschaft. Heute bietet der Ort selbst keine nennenswerten Verdienstmöglichkeiten. Die Landwirtschaft wird seit einigen Jahren nur noch im Nebenerwerb betrieben; Industrieansiedlungen sind nicht vorhanden.

Waldenserkirche

Bereits zwölf Jahre vor der Gründung Charlottenbergs, ab dem Jahre 1687, waren Waldensergruppen aus dem Chisonetal, Wallonen aus Otterberg und Umsiedler aus Schwabendorf in der Grafschaft aufgenommen und auf die Dörfer verteilt worden (nachweislich mindestens vier Exulantenzüge).
Die von 1687 bis 1766 selbständige französische Gemeinde Holzappel-Charlottenberg besaß kein eigenes Gotteshaus. Sie versammelte sich mit ihrem Pfarrer in der evangelischen Kirche zu Holzappel. Die Kinder hatten in den ersten Jahrzehnten auch einen eigenen Schulmeister, den Maitre d’école de l’église Françaisce de Holzappel et de la colonie de Charlottenberg. Die französische Gemeinde ging 1766 in der evangelischen Kirchengemeinde Dörnberg auf, wo auch die 1699 begonnenen französischen Kirchenbücher aufbewahrt sind.


Andenken

Im Jahre 1899, zwei Jahrhunderte nach der Gründung ihres Dorfes, setzten die Charlottenberger ihren Vorfahren und der Fürstin Charlottte an exponierter Stelle des Dorfes ein würdiges Denkmal („Waldenserdenkmal“). Eine bescheidene Dokumentation über die Aufnahme der Waldenser befindet sich im Heimatmuseum „Esterau“ im Rathaus in Holzappel. Bei den Einwohnern Charlottenbergs und der Dörfer in der ehemaligen Grafschaft Holzappel ist ein zunehmendes Interesse an der waldensischen Vergangenheit festzustellen.

Willi Schmiedel

Literatur: 300 Jahre Charlottenberg. Beiträge zur Orts- und Heimatgeschichte, Charlottenberg 1999.


Zu den Bildern:

1. Luftaufnahme von Charlottenberg (Foto Ulrich Kröning)
2. Ortsstraße 1920 mit einstöckigen Waldenserhäusern (Repro Richard Bonnet)
3. Waldenserdenkmal aus dem Jahre 1899


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