Waldenserort Gottstreu

Die Waldenser

Der Name „Waldenser“ stammt aus dem Mittelalter. Die katholische Kirche bezeichnete so die Anhänger von Valdes aus Lyon, der um 1173 eine Bewegung von Wanderpredigern gegründet hatte.

Fest der Begegnung am 1. Mai



Die Waldenser in Italien

Die Waldenser im Piemont haben ihre religiösen und kulturellen Traditionen bewahren und erneuern können. Nachdem sie 1848 ihre bürgerlichen Freiheiten erlangt hatten, kamen sie aus dem Ghetto der Täler heraus und gründeten Gemeinden in ganz Italien.

Heute zählt die italienische Waldenserkirche rund 21.000 Mitglieder. Sie ist eine wichtige Stimme innerhalb des europäischen Protestantismus und in der italienischen Gesellschaft. Sie sieht sich als Erbin der „Armen Christi“ und möchte durch ihre Verkündigung und diakonische Arbeit in Italien in der Nachfolge Christi leben und wirken.


Charlottenberg (bei Holzappel)

Charlottenberg, das jüngste Dorf in der früheren Grafschaft Holzappel, wurde im Jahre 1699 als reine Waldenserkolonie auf einer Anhöhe in der Nähe des damaligen Städtchens Holzappel gegründet. Es trägt den Namen seiner Erbauerin, der Fürstin Charlotte von Nassau-Schaumburg, die zugleich Gräfin zu Holzappel war. Die Charlottenberger Waldenser, zehn Familien mit zusammen rund 60 Personen, Flüchtlinge aus Fenestrelle im Pragelatal, trafen -auf der Grundlage einer Aufnahmeurkunde der Fürstin vom 15. Juli 1699 - Ende Juli in der Grafschaft Holzappel ein. Bereits im August wurde ihnen das Bauland für die zehn einstöckigen Wohnhäuser der ursprünglichen Kolonie zugewiesen.

Corres bei Ötisheim


Der Weiler Corres ist um 1700-1702 auf Ötisheimer Gemarkung entstanden und war daher von Beginn an Teilort der Gemeinde Ötisheim. Zuerst sollten die zugewanderten Waldenser und Hugenotten innerhalb Ötisheims siedeln, was sie aber entschieden ablehnten. So wurde hart an der ehemals württembergisch-badischen Grenze, zwei Kilometer westlich vom Hauptort entfernt, eine Straßensiedlung gegründet.


Dürrmenz (bei Mühlacker)


Dürrmenz (Baden-Württemberg)

Dürrmenz bildete jahrhundertelang den alten Ortskern der heutigen Stadt Mühlacker, die selbst damals nur ein Weiler war. Bereits 779 wird Dürrmenz zum ersten Mal im Codex der Abtei Lorsch erwähnt. Im 13. Jahrhundert erbaute Heinrich I., Herr von Dürrmenz, die Burg Löffelstelz, die im Bauernkrieg zerstört wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort fast völlig entvölkert. Als im Jahre 1688 die Raubzüge des Sonnenkönigs Ludwig XIV. begannen, wurde auch Dürrmenz auf Grund seiner Lage am Knotenpunkt dreier Heerstraßen stark in Mitleidenschaft gezogen und erneut nahezu ganz entvölkert.


Dornholzhausen

Waldenser-Kolonie bei Bad Homburg

Großvillars


Für Großvillars endete am 1. Januar 1973 ein rechtliches Kuriosum: das Kondominat. Die Bevölkerung des Waldenserortes, der allerdings nie eine rechtlich selbständige Gemeinde war, entschied sich mit großer Mehrheit, als Ganzes nach Oberderdingen zu gehen. Seit 1866 gehörten zwei Drittel von Großvillars der Stadt Knittlingen, ein Drittel zu Oberderdingen. Die Stadt Knittlingen führte die Verwaltungsgeschäfte und rechnete am Schluß des Jahres nach kompliziertem Schlüssel ihre Ausgaben mit Oberderdingen ab. Wenn es irgend etwas Gemeinsames für Großvillars zu tun gab, mußten sich vorher die politischen Gremien beider Gemeinden einigen. Deshalb war Großvillars aus seiner Vergangenheit gewohnt, daß Streitigkeiten seine Existenz begleiteten. Die Oberderdinger Seite von Großvillars expandierte besonders in der Nachkriegszeit mehr als der Knittlinger Anteil, so daß 1973 320 Großvillarser auf der Oberderdinger und 336 auf der Knittlinger Seite wohnten. Zehn Jahre später wohnten 706 Personen in Großvillars, und am 1. Januar 1993 waren es 908 Einwohner, die bis Januar 1998 auf 973 Einwohner anwuchsen. Großvillars ist der Ortsteil von Oberderdingen mit dem größten Einwohnerzuwachs in den vergangenen 25 Jahren. Und trotzdem hat sich dieser Ort seinen ländlichen Charme bewahrt. Neubaugebiete gibt es im Nordosten, sie wurden dort anfangs der 70er Jahre erschlossen, im Westen sind sie aus den 80er Jahren.


Gottstreu und Gewissenruh (Oberweser)


Die 1722 im Bereich der damaligen Landgrafschaft Hessen-Kassel im Wesertal gegründeten Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh sind Tochterkolonien der württembergischen Siedlungen Perouse, Pinache, Serres, Großvillars und Dürrmenz.


Kleinvillars bei Ölbronn


Kleinvillars ist eine Neugründung der Waldenser und liegt zwischen Wäldern und Obstwiesen an der Straße von Ölbronn nach Knittlingen. Der Ortskern lehnt sich an einen Hang nach Osten, und die Häuser stehen mit dem Giebel zur schnurgerade verlaufenden Hauptstraße.
1699 sollten ursprünglich 379 Flüchtlinge aus Villar Perosa im Chisonetal in der colonie de villars an der Stelle, wo heute Großvillars liegt, angesiedelt werden. Aber den Oberderdingern war die Anzahl der Fremden in der Nachbarschaft zu groß, und so entstand südlich von Knittlingen auf der Markungsgrenze zu Ölbronn die Siedlung Petit Villars. Nach einer Einwohnerliste aus dem Jahr 1700 lebten in dieser Siedlung 90 Personen.


Neuhengstett (bei Althengstett)


Ein in jüngster Zeit aufgestelltes Ortsschild verrät dem Besucher von Neuhengstett, daß es sich hier um einen Waldenserort handelt. Das Dorf wurde am 1. September 1700 von ungefähr 130 Waldensern aus Villaret gegründet, die zunächst nach Arheilgen in Hessen-Darmstadt gekommen waren, dann aber in Württemberg zwischen Hengstett und Simmozheim angesiedelt wurden. Manche behaupten, daß der Ort am Anfang Bourcet hieß. Sicher ist, daß die Kolonie schon 1716 Neuhengstett genannt wurde.


Neu-Isenburg

Neu-Isenburgs Gründung im „großen Wald“ südlich von Frankfurt im Juli 1699 geschah nicht durch Waldenser, sondern durch überwiegend südfranzösische Hugenotten. Der reformierte Graf Johann Philipp von Isenburg hatte sie ursprünglich in seiner kleinen Residenz Offenbach aufnehmen wollen, auch um diese durch eine gezielte Ansiedlung von Manufakturbetreibern und Kaufleuten zu bereichern und zu modernisieren. Als die Flüchtlinge aber, selbst mittellos nach langem Schweizer Zwischenexil, nicht die beträchtlichen Zuwendungen aus den Kollekten erhielten, die man ihnen wohl zuvor in Aussicht gestellt hatte, gewährte der Graf ein Siedlungsprivileg für ein Bauerndorf, das er nach seinem Stammsitz „Isenburg“ nannte; die Urkunde sicherte Hausgrund, Äcker, Wiesen und Bauholz zunächst für 68 Hausplätze und Steuerfreiheit für zehn Jahre. Dennoch war der bäuerliche Broterwerb von Anfang an für die meisten nur eine Notlösung; bald war die Siedlung geprägt von der Strumpfwirkerei, was auch viele Deutsche anzog.

Bereits 1702/03 kamen Waldenser nach Neu-Isenburg, zunächst einzelne aus bereits nach 1685 errichteten Kolonien, später auch viele Pragelaner aus den 1699er Gründungen der Umgebung, so Jean-Léonard Griot aus Rohrbach-Wembach-Hahn und die Gebrüder Gaydoul aus Walldorf, die an ihrem neuen Wohnort sofort als Strumpfmanufakturisten verzeichnet sind.


Nordhausen (bei Nordheim)


Im Juni 1700 kamen 202 waldensische Flüchtlinge im „Unterland“ an. Es waren 52 Familien, die nach einem Jahr Aufenthalt im hessischen Waldensberg von dort wieder weggezogen waren und nun in Württemberg eine zweite Heimat suchten. Die Siedler stammten aus dem Pragelatal; ihre Heimatdörfer waren Mentoulles (118 Personen) und Usseaux (56 Personen), 28 Personen kamen aus anderen Orten. Die Gemeinden Nordheim und Hausen hatten Siedlungsland für die Waldenser abgeben müssen. Deshalb bekam die Waldenserkolonie in einem Verwaltungsakt ihren neuen Namen nach diesen Orten: Nord-Hausen. Die Bemühungen der Waldenser, ihrem Ort noch einen eigenen französischen Namen geben zu können, scheiterten endgültig im Jahr 1714.


Palmbach (bei Karlsruhe)


Palmbach ist eine Neugründung der Waldenser. Die Siedler stammten aus der Ortschaft La Balme im Pragelatal, das zum Kirchspiel Pragela gehörte. Die Waldenser kamen aus der Schweiz, wo sie für kurze Zeit Unterschlupf gefunden hatten, über Hessen-Darmstadt in das damals württembergische Grünwettersbach. Am 4. Februar 1701 erhielten sie von Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg die Erlaubnis, sich in seinem Land anzusiedeln. Man wies ihnen 360 Morgen verwildertes Ackerland, Wiesen und ein paar kleine Waldstücke zwischen Grünwettersbach und Stupferich sowie Langensteinbach zu.


Perouse (bei Heimsheim)


Am 13. Juni 1699 kamen 71 Familien (242 Personen) in Heimsheim an und bauten am östlichen Rand der Markung Baracken. Zur Erinnerung an ihren Heimatort Perosa im unteren Chisonetal nannten sie ihren neuen Ort Perouse. Von ihren Waldensernamen sind bis heute erhalten geblieben: Baret, Mouris, Simondet und Vincon. Weitere Familien mit Waldensernamen, Baral, Charrier, Gayde, Jaimet, Roux und Servay, sind zugezogen.


Pforzheim


Pforzheim (Baden-Württemberg)


Die ersten Waldenser kamen 1707 nach Pforzheim, es waren zwei Frauen aus Dürrmenz und ein Ehepaar aus Wurmberg. Im 18. Jahrhundert zogen immer wieder Waldenser aus dem württembergischen Umland nach Pforzheim. Sie schlossen sich den französischen Reformierten an, die seit 1690 in Pforzheim waren und eine Goldwaren-Fabrik planten. Überfälle französischer Truppen und die Zerstörung der Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg vereitelten die Gründung, trotzdem existierte 1699 eine kleine Kolonie von fünf Familien. Da der Markgraf von Baden-Durlach französische Handwerker und Handelsleute ins Land holen wollte, wurden am 16. Juli 1700 die Priviligien für eine Gruppe von ca. 60 Hugenotten mit ihrem Sprecher Elie Lafont unterzeichnet. Dies war der Grundstein für die reformierte Gemeinde in Pforzheim. Sie wurde zunächst von Henri Arnaud betreut, dann von Abraham Sandoz aus Auerbach; Geldnot und Streit bewirkten häufige Pfarrerwechsel. Gottesdienste waren anfangs in Lafonts Wohnung am Marktplatz. Klagen über „Geschrei und Singen“ am Sonntagmorgen zwangen die „Fremden“ zum Gottesdienst in einer Scheune am Stadtrand. 1704 konnte die Gemeinde die Spitalkirche benutzen, 1718 die St. Georgskirche. Kirchenbücher beginnen erst 1766.


Pinache (bei Wiernsheim)


Pinache wurde in Juni 1699 zwischen Dürrmenz und Wiernsheim, größtenteils auf Wiernsheimer Gemarkung, angelegt. Der Ort wurde nach Pinache (heute Pinasca), dem Herkunftsort der Gründer, im unteren Chisonetal benannt. Der Anfang war sehr hart. Noch im Jahre 1720 zogen viele aus Pinache nach Brandenburg, in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Viele kehrten enttäuscht zurück, andere gehörten zu den Gründern von Gottstreu und Gewissenruh.


Rohrbach, Wembach und Hahn bei Ober-Ramstadt


Die drei Orte, Rohrbach,Wembach und Hahn liegen etwa 15 km südöstlich von Darmstadt an den waldreichen Hängen des Vorderen Odenwaldes. Zwar sind sie von weitläufigen Neubaugebieten umgeben, im Kern aber haben sie noch weitgehend die alten Strukturen bewahrt.


Schönenberg (bei Ötisheim)


Schönenberg ist eine Neugründung der Hugenotten und Waldenser. Die Siedler stammten hauptsächlich aus dem Queyras. Sie hatten sich 1699 zuerst in Dürrmenz niedergelassen, konnten dort aber, da die Markung ziemlich gering war, nicht alle untergebracht werden. Daher wurden vor allem die Bauern in die Nachbardörfer ausquartiert.
Schon sehr bald, im August 1699, suchte die Kolonie Dürrmenz um den Seuberg/Säuberg auf Ötisheimer Gemarkung an, um dort Maulbeerbäume anzupflanzen. Der Platz bekam daher den Namen des Mûriers. Jedoch die Maulbeerbäume gediehen nicht, obwohl man es bis 1727 immer wieder mit Neuanpflanzungen versucht hatte. So nutzten die Waldenser das Land auch für Hausplätze, Höfe, Gärten und Äcker. Es entstand eine kleine Kolonie, die anfangs 55 Personen zählte, eine eigene Gemarkung bekam und den Namen “Schönenberg” erhielt.


Schwabendorf bei Rauschenberg


Die ehemalige Hugenotten- und Waldenserkolonie Schwabendorf in der Nähe von Marburg feierte bereits 1987 ihr 300-jähriges Bestehen. Damit ist Schwabendorf die älteste oberhessische Kolonie.
Nachdem Landgraf Carl von Hessen-Kassel schon im April 1685 in seiner Freyheits Concession und Begnadigung Aufnahme, freie Religionsausübung und eine Reihe von Privilegien zugesichert hatte, kamen ca. 3.800 überwiegend hugenottische Flüchtlinge in sein Land. In und um Kassel war das Aufnahmevermögen aber schon bald restlos erschöpft; so mußte man sich auch in Oberhessen um Siedelplätze bemühen. Auch die Stadt Rauschenberg erklärte sich bereit, Flüchtlinge aufzunehmen.
116 Réfugiés in 32 Familien, zumeist aus dem Dauphiné stammend, gründeten 1687 auf einer Hutefläche die Kolonie „Auf der Schwabe“, aus der später Schwabendorf wurde. Unter der Kolonisten war zunächst nur ein eher kleiner Anteil von Waldensern, die erst nach und nach in das neue Dorf kamen. Vor allem Jean Vinçon (1688, aus Mentoulles-Lanfondufau) und Daniel Aillaud (1699, aus Balbouté), die beide ihrem Pfarrer Daniel Martin nach Schwabendorf gefolgt waren, haben ihre Nachkommen bis in die heutige Zeit tragen können.


Sengach (bei Enzberg)


Sengach ist 1701 etwa ein Kilometer nordostlich von Enzberg auf der fast ebenen, nebelarmen Höhe des Sengachberges gegründet worden. Die Mehrzahl der Kolonisten stammte aus Vars im Dauphiné.
Da Dürrmenz zu viele Ankömmlinge hatte, wurde ein Teil von ihnen in die Nachbarorte verteilt, u.a. nach Ötisheim. 15 Familien, die auch in Ötisheim nicht unterzubringen waren, gingen nach Enzberg und gründeten von hier aus Sengach, genannt nach dem von den Waldensern abgeholzten Enzberger Kellereiwald “Sengach” (was soviel heißt wie “versengter oder verbrannter Wald”). Die Kolonisten nannten ihren Ort Sinac. Die Sengacher waren von Anfang an Enzberger Bürger und hatten zwei Vertreter im Enzberger Rathaus.


Serres (bei Wiernsheim)


Ein kleiner Teil der für die colonie de Pinache, etablie à Wiernsheim vorgesehenen ca. 120 Familien (535 Personen) bekam gemäß Rescript vom 30. Mai 1699 seinen Platz zwischen Wiernsheim, Großglattbach, Iptingen und Mönsheim angewiesen. Laut Dekret vom 10. Juni 1699 begann Vogt Greber sofort, den einzelnen Familien ihre Grundstücke zu übergeben; somit kann dieser Tag als Gründungstag des Ortes gelten. Die Siedler gaben ihm den Namen Serres, kam doch die Mehrzahl der Familien aus einem der verschiedenen Dörfer Serre der alten Heimat im unteren Chisonetal. Wurde die Gemeinde auch 1718 noch Quartier du Serre, also „Parzelle“ von Pinache genannt, so gab es wohl bereits 1712 einen eigenen sindic (Schultheiß). Nach ersten gemeinsamen Schritten im Schulverband, Wasser- und Abwasser¬verband erfolgte im Zuge der Gemeindereform - nach rund 275 Jahren gemeindlicher Selbständigkeit - zum 1. Januar 1974 die Eingemeindung nach Wiernsheim. Heute zählt der Ort 675 Einwohner.


Todenhausen bei Wetter


Der Name Todenhausen geht wahrscheinlich auf einen Einsiedler aus der Karolingerzeit na-mens Dudin oder Dudo zurück. Hieraus entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte über Du-dinhusen, Dudenhusen der Name Todenhausen. Die Siedlung Todenhausen wird erstmals 1349 genannt. Sie gehörte kirchlich zu Wetter und war dem dortigen Stift zehntpflichtig. Ur-kundlich wird in der Folgezeit nur noch die Todenhäuser Mühle genannt. Hierzu gehörten wenige Gehöfte, in denen zehn Familien wohnten.


Untermutschelbach


Im Jahre 1700 baten waldensische Familien aus Mörfelden in Hessen Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg um Aufnahme in seinem Land. Auf Vorschlag von Vogt Greber von Maulbronn, der für die Vertriebenen ein warmes Herz hatte, siedelte der Landesherr die Bittsteller in den Gemarkungen Grünwettersbach und Mutschelbach an. Diese Gemarkungen bildeten eine württembergische Exklave im Badischen und lagen seit dem Dreißigjährigen Krieg fast brach. Mutschelbach zählte nur noch neun Bürger. Am 4. Februar 1701 wurde trotz Widerspruch des Vogts von Neuenbürg und des Forstmeisters von Wildbad die Genehmigung zur Ansiedlung erteilt. So kamen 14 Familien nach Untermutschelbach und brachten bereits am 26. Juni 1701 dem Landesfürsten ihre Huldigung dar.


Waldensberg bei Wächtersbach


Waldensberg wurde im Jahre 1699 auf einer der ersten, südlichen Vogelsberg-Anhöhen im Hessischen gegründet. Die Gründer stammten aus Mentoulles und Usseaux. Etliche Privilegien gewährte der damalige Graf Ferdinand Maximilian I. von Ysenburg-Wächtersbach den wegen ihrer reformierten Konfession Verfolgten: Land, Befreiung von etlichen Abgaben und Militärdienst, relative Selbständigkeit in der weltlichen und kirchlichen Gerichtsbarkeit. Darum wurden sie lange von den benachbarten Dörfer beneidet und etwas verächtlich als die „Welschen“ bezeichnet. Bis ins letzte Jahrhundert sprachen die Waldenser neben der deutschen Sprache noch französisch. Nach der sog. Hanauer Union von 1818 gliederte sich die Kirchengemeinde in die Evangelische Kirche von Kurhessen ein. Das Dorf ist seit 1971 ein Stadtteil von Wächtersbach und hat heute 440 Einwohner.


Walldorf (Mörfelden-Walldorf)


Zur größten deutschen Waldensergemeinde herangewachsen ist das hessische Walldorf, 15 km südlich von Frankfurt gelegen. Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt erlaubte hier 1699 die Ansiedlung mehrerer hundert Glaubensflüchtlinge aus Roure und Méan im Pragelatal. Wegen der vielen Schwierigkeiten blieben aber nur 14 Familien mit 62 Personen. Ihr Pfarrer Jacques Papon wohnte in Frankfurt. Der Versuch, die Waldenser im benachbarten Mörfelden anzusiedeln, wurde von den Bürgern dort abgelehnt. Die Waldenser sollten vielmehr jahrzehntelang brachliegendes Land einer landgräflichen Domäne urbar machen. Bis 1717 entstanden 15 Häuser mit Scheunen und Stallungen sowie die Kirche mit Pfarrhaus, allesamt in Fachwerk errichtet, am grand chemin (der heutigen Langstraße) gelegen. Die Waldenser brachten die Kunst der Obstveredelung mit und bauten bereits früh auf den ihnen zugewiesenen 7,5 Hektar Getreide, Kartoffeln und Aprikosen an. Bis 1814 wurde in der Kirche französisch gepredigt, während schon ab 1750 die Zweisprachigkeit üblich war. Die Kirchenbücher sind ab dem Jahre 1699 bewahrt geblieben.


Welschneureut (bei Karlsruhe)


„Eine Waldenserkolonie ohne Waldenser“ schrieb einst der Freiburger Professor Friedrich Metz über den Ort Welschneureut. In der Tat, ein Großteil der Glaubensflüchtlinge, welche 1699 die Colonie de Neureuth gründeten, waren Hugenotten aus den südfranzösischen Landschaften Dauphiné und Languedoc. Nach der Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) waren sie in die Schweiz geflohen. Als dann 1698 die aus Piemont verbannten französischen Waldenser ebenfalls in den reformierten Kantonen eintrafen, leitete man alle Religionsflüchtlinge zu den ihnen von den protestantischen deutschen Fürsten zugesagten Zufluchtsorten weiter. 1699 landete eine für die Markgrafschaft Baden-Durlach bestimmte Abteilung (58 Familien - 250 Personen) per Schiff am nahen Rhein. Man wies ihnen bei dem im Dreißigjährigen Krieg und den nachfolgenden Kampfhandlungen Ludwigs XIV. zerstörten und nahezu entvölkerten Dorf Neureuth verwildertes Gelände zu.


Wiesenfeld bei Burgwald


Die gotische Johanniterkirche aus dem 13. Jahrhundert mit einem stattlichen Wehrturm bestimmt das Bild des Dorfes Wiesenfeld am Rand des Burgwaldes in Nordhessen. Bat-tenberger Grafen gründeten hier nach der Heimkehr von Kreuzzügen ins Heilige Land eine kleine Kommende des Johanniterordens, 1238 erstmals urkundlich erwähnt. Nach der Reformation wurde das Klostergut von den hessischen Landgrafen zunächst verpach-tet und 1755 dann an zehn Hugenottenfamilien aus einer früheren Dorfgründung Wiesen-feld sowie an dreizehn Familien in Erbleihe übergeben, für die es in der benachbarten Kolonie Französisch-Todenhausen zu eng geworden war.


Wurmberg


Im Jahre 1699 wurden in Wurmberg ca. 200 reformierte französische Glaubensflüchtlinge ange¬siedelt, die zur Gruppe des Waldenserpfarrers Henri Arnaud gehörten. Vogt Greber vom damals zuständigen Oberamt Maulbronn schrieb in einem Brief vom 25. Juni 1699 an den württembergischen Herzog Eberhard Ludwig: „in Wurmberg sind 500-600 Morgen Felder und Weinberge vom Dreißigjährigen Krieg her verödet. Aufgrund einer Besichtigung mit Deputierten der Waldenser haben denen vom Du Queyras der Platz an der Landstraße zu Pforzheim, die Capell genannt, nicht übel gefallen. Aber auch bei dem an den Flecken angehängten Platz könnten daselbst 30 Familien etabliert werden